Formen der Sozialversicherung in Deutschland
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Die deutsche Sozialversicherung ist ein gesetzliches Versicherungssystem, dessen Aufgabe es ist, den Lebensstandard und die gesellschaftliche Stellung des Versicherten in existenziellen Risikosituationen zu erhalten.
Das Sozialversicherungssystem setzt sich aus fünf Zweigen zusammen: Krankenversicherung, Pflegeversicherung, Unfallversicherung, Rentenversicherung sowie Arbeitslosenversicherung.
Die Krankenversicherung unterteilt sich wiederum in die Zweige gesetzliche Krankenkassensystem und privater Krankenversicherungszweig.
Themen auf dieser Seite
Die Sozialversicherung in der Bundesrepublik Deutschland beruht auf den Prinzipien einer Solidargemeinschaft, sodass sich der Leistungsanspruch der Versicherten grundsätzlich nach deren Bedürftigkeit, nicht aber nach deren individuellen Risiken richtet.
HISTORIE DER SOZIALVERSICHERUNG
Das deutsche Sozialversicherungssystem geht auf die Sozialgesetzgebung des damaligen Reichskanzlers Otto von Bismarck am Ende des 19. Jahrhundert zurück. Damit sollte die soziale Absicherung gewährleistet werden.
Die Zweige der Sozialversicherung
Das soziale Netz der Bundesrepublik Deutschland ist eines der leistungsstärksten Sozialsysteme der Welt.Die deutsche Sozialversicherung garantiert die soziale Sicherheit der Gesellschaft und stellt insbesondere für Arbeitnehmer einen umfassenden Schutz dar.
Die Fünf Zweige des Sozialversicherungssystems und ihre Aufgaben
Gesetzliche Arbeitslosenversicherung: Gewährleistung der existenziellen Sicherheit im Falle der Arbeitslosigkeit
Gesetzliche Rentenversicherung: Absicherung im Alter sowie im Falle von Berufs- und Erwerbsunfähigkeit und im Falle des Todes für Hinterbliebene
Gesetzliche Krankenversicherung: Gewährleistung und Wiederherstellung der Gesundheit, Linderung von Krankheitsfolgen
Gesetzliche Unfallversicherung: Wiederherstellung der Erwerbsfähigkeit im Falle eines (Arbeits-) Unfalls
Gesetzliche Pflegeversicherung: Dauerhafte Absicherung sowie finanzielle Unterstützung pflegebedürftiger Menschen
Checkliste – zum Download
Gesetzliche Krankenversicherungen
Liste mit Ansprechpartnern PDF 301 kB
Jahr der Einführung / Zweig der Sozialversicherung
1883 Krankenversicherung
1884 Unfallversicherung
1889 Rentenversicherung
1927 Arbeitslosenversicherung
1994 soziale Pflegeversicherung
Grundprinzipien und Organisation
Die Sozialversicherung ist ein vom Staat geschaffenes Vorsorgesystem, das auf derVersicherungspflicht beruht. Dadurch sind grundsätzlich Arbeitnehmer mit einem Einkommen unterhalb der Versicherungspflichtgrenze zur Mitgliedschaft in der Sozialversicherung verpflichtet. Dies soll zum einen die Auslese der Versicherungen ihrer Mitglieder nach hohen bzw. niedrigen Gesundheitsrisiken vermeiden und zum anderen die Absicherung auch sozial schwacher Bundesbürger gewährleisten.
Die Träger der deutschen Sozialversicherung sind rechtsfähige Körperschaften des öffentlichen Rechts mit Selbstverwaltung, sodass die Träger die gesetzlich zugewiesenen Aufgaben in eigener Verantwortung erfüllen. Zudem sind jene Träger in Bundesverbänden zusammengeschlossen und unterstehen der Verantwortung folgender Bundesministerien:
Die Aufgabe dieser Ministerien ist es, die Leistungsfähigkeit der verschiedenen Versicherungszweige zu erhalten, zu sichern und weiter zu entwickeln. Die Finanzierung der Sozialversicherung erfolgt in erster Linie nicht durch Steuereinnahmen, sondern staatlich kontrolliert durch die Beiträge der Versicherungsnehmer und deren Arbeitgeber. Die Prämien der jeweiligen Sozialversicherung richten sich meist nach dem Bruttogehalt (bis zu einer spezifischen Beitragsbemessungsgrenze) des Versicherten. Die Auszahlung der Leistungen orientiert sich an den jeweiligen Tarifverträgen (z.B. bei Renten oder Krankengeld) oder werden reglementiert in Form von Sachleistungen an alle Versicherten gleichermaßen ausgeschüttet.
Die Berechnung der Bezugsgröße
Für die Berechnung der Bezugsgröße wird das Durchschnittsentgelt aller Versicherten der gesetzlichen Rentenversicherung aus dem vergangenen Jahr herangezogen. Dieses wird auf den nächsthöheren, durch 420 teilbaren Betrag aufgerundet. Für die Errechnung der Bezugsgröße der neuen Bundesländer wird dieser Betrag durch einen bestimmten Umrechnungswert geteilt und dann auch auf den nächsthöheren, durch 420 teilbaren Betrag aufgerundet. Die Teilbarkeit durch 420 ist notwendig, damit sich immer noch ein voller Eurowert ergibt, wenn man die Bezugsgröße durch 7, für jeden Tag in der Woche, durch 5, für die fünf Arbeitstage in der Woche, oder durch 12, für jeden Monat des Jahres, teilt.
Anwendung der Bezugsgröße
Die Bezugsgröße findet zum Beispiel noch in den folgenden Bereichen Anwendung:
- Höhe des Einkommens von Familienversicherten in der GKV
- Mindestbeitrag von freiwillig Versicherten in der GKV
- Bestimmung der Grenze bei Zuzahlungen und Zahnersatz
- Mindesbeitrag zur Künstlersozialversicherung
Bezugsgröße der Krankenversicherung 2018
Um bei Änderungen des durchschnittlichen Nettoeinkommens oder bei Veränderungen des Preisgefüges Gesetze nicht aufwendig ändern zu müssen, wurde die Bezugsgröße eingeführt. Sie ist ein wichtiger Wert in der Sozialversicherung und damit auch in der gesetzlichen Krankenversicherung von Bedeutung. Viele Beiträge orientieren sich am Wert der Bezugsgröße. Der Wert der Bezugsgröße spiegelt das Durchschnittsentgelt aller Versicherten des vergangenen Kalenderjahres wider. Sie wird auch als dynamische Rechengröße bezeichnet, da sich ihr Wert in der Regel jedes Jahr ändert. Die Festlegung der Höhe erfolgt zu Beginn eines Jahres durch das Bundeskabinett. Diese Verordnung benötigt außerdem die Zustimmung des Bundesrates. Die Bezugsgröße beschreibt also die künftige wirtschaftliche Situation in der Bundesrepublik.
Bezugsgröße für die gesetzliche Krankenversicherung
Bei geringfügig Beschäftigten wird mit Hilfe der Bezugsgröße der Anspruch auf die beitragsfreie Familienversicherung errechnet. Dabei wird im Normalfall ein Siebtel dieser Größe herangezogen. Desweiteren dient sie zur Berechnung des Mindestbeitragssatzes für Versicherte in der freiwilligen Krankenversicherung und zur Errechnung der Zuzahlungsbefreiung, beispielsweise für Medikamente. Außerdem dient die Bezugsgröße noch zur Berechnung folgender Werte:
- Höhe des Zuschusses der Krankenversicherung zur stationären Hospizversorgung
- Höhe des Beitrages des Bundes zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung für Hartz IV-Bezieher
- Höhe des von der Pflegeversicherung zu tragenden Beitrages einer rentenversicherungspflichtigen Pflegeperson
Aktuelle Werte in Ost und West
Bei Angabe der Bezugsgröße wird zwischen den alten und den neuen Bundesländern unterschieden. Die derzeitige Bezugsgröße beträgt nach Informationen der Bundesregierung für das Jahr 2018 3.045 Euro für die alten und 2.695 Euro für die neuen Länder. Obwohl es für Deutschland zwei unterschiedliche Bezugsgrößen gibt, wird für die Berechnung damit verbundener Größen überwiegend die Bezugsgröße der alten Bundesländer berücksichtigt.
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