Eine Studie der PricewaterhouseCoopers AG belegt, dass rund 60 % der Versicherten ihren Zusatzbeitrag nicht kennen und von der Krankenkasse nicht ausreichend darüber schriftlich informiert wurden. In der Regel nehmen die Mitglieder Änderungen kaum wahr, es sei denn, sie machen schlechte Erfahrungen bei der Kostenübernahme von dringend benötigten Leistungen oder beim Kundenservice. Ein günstiger Zusatzbeitrag bedeutet jedoch nicht, dass die Kasse gute Leistungen anbietet, häufig werden diese sogar gekürzt oder auch komplett gestrichen.
Die Krankenkasse wechseln für bessere Leistungen bzw. günstigere Tarife
Der Gesetzgeber gesteht Ihnen seit 1996 Wahlfreiheit in der gesetzlichen Krankenversicherung zu, trotz Versicherungspflicht ist es also möglich, den Vertrag mit Ihrer Krankenkasse zu kündigen. Im Anschluss können Sie, je nach Voraussetzungen, entweder in die eine oder andere gesetzliche bzw. private Krankenversicherung wechseln.
Es gibt viele Gründe sich für einen anderen Versicherer zu entscheiden, denn jeder hat seine eigenen Vorstellungen von der richtigen Krankenkasse. Häufig sind es jedoch unfreundliche Servicemitarbeiter, die mangelnde Erstattung wichtiger Medikamente oder eine Beitragserhöhung die Versicherungsnehmer zu einem Wechsel motivieren. Der wohl wichtigste Grund ist und bleibt aber der Zusatzbeitrag, der je nach Krankenkasse individuell erhoben werden kann. Während manche Krankenversicherungen gar keinen Zusatzbeitrag erheben, liegt dieser bei anderen bei 1,7%. Je nach Krankenkasse und Verdienst, kann man bei einem Kassenwechsel derzeit bis zu 902,70 € im Jahr sparen. Das sollte jedoch nicht der einzige Grund sein zu wechseln: Wichtige Kriterien sind unter anderem lukrative Bonusprogramme, besondere Extraleistungen und kompetenter Kundenservice. Es lohnt sich auch die Krankenkassen Testsieger verschiedener Kategorien genauer unter die Lupe zu nehmen, um seinen persönlichen Favoriten zu finden.
Die richtige Wahl treffen – Merkmale einer guten Krankenkasse
Es gibt verschiedene Kriterien, die eine gute Krankenkasse kennzeichnen. Dazu zählen beispielsweise Service, Bonusprogramme, angebotene Zusatzleistungen oder ein geringer Zusatzbeitrag. Letztlich ist es aber immer ein ganz individuelle Entscheidung des Versicherten, denn nicht jede gute Krankenkasse passt auch zu dem eigenen Gesundheitsverhalten. Um einen guten Überblick über die allgemeinen Angebote und Leistungen einer bestimmter Krankenkasse zu erhalten, helfen auch regelmäßige Tests und Vergleiche unabhängiger Institute. Folgende Eigenschaften sollten Sie bei der Wahl ihrer neuen Krankenkasse beachten:
Gesetzliche Krankenkasse – Kündigungsfrist & Mindestversicherungszeit beachten
Um die Krankenkasse kündigen zu können, gilt als Voraussetzung, dass sie bereits seit 18 Monaten oder länger Mitglied sind. Die Kündigung der Krankenkasse muss schriftlich erfolgen und wird zum Ende eines Monats eingereicht, anschließend erhalten Sie innerhalb von 14 Tagen eine Kündigungsbestätigung nach § 175 Abs. 4 Sätze 3 und 4 SGB V für nach § 5 Abs. 1 Nr. 13 SGB V Versicherte. Diese ist zur Vorlage bei der neuen Krankenkasse bestimmt, um eine Doppelversicherung auszuschließen – ohne diese Bestätigung kann man nicht aufgenommen werden. Die Kündigungsfrist beträgt 2 Monate und wird immer zum Monatsende ausgeführt. Kündigungsgründe kann es viele geben, es ist aber nicht zwingend notwendig, diese zu benennen. Einen Kündigungsvordruck finden Sie in Ihren Wechselunterlagen zum Krankenkassenvergleich.
Normalerweise kann die neu gewählte Krankenkasse eine Mitgliedsbescheinigung nur ausstellen, wenn die Kündigungsbestätigung der bisherigen Kasse vorliegt. Für freiwillig Versicherte gilt diese Regelung nicht, wenn eine Familienversicherung eintritt oder ein Wechsel in eine private Krankenversicherung erfolgt. Viele Kassen verzichten sogar auf die Einhaltung der Kündigungsfrist, wenn eine Familienversicherung beginnt.
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Die richtige Kündigung: So können Sie die Kasse wechseln
Eine Kündigung muss grundsätzlich auf dem schriftlichen Weg (als Brief, Fax oder per Einschreiben ) eingereicht werden und mit Ihrer Unterschrift versehen sein, ansonsten ist sie nicht gültig. Die Kündigung kann zu einem bestimmten Datum oder zum nächstmöglichen Zeitpunkt erfolgen. Außerdem ist es wichtig, bei der bisherigen Krankenkasse eine schriftliche Kündigungsbestätigung anzufordern. Diese wird benötigt, um später die Mitgliedschaft bei einer neuen Krankenversicherung zu beantragen.
Versenden Sie Ihre Kündigung rechtzeitig! Sie muss am letzten Tag eines Monats bei der Krankenkasse eingegangen sein, sonst wird die Kündigung erst einen Monat später wirksam – die Datierung des Poststempels auf den letzten Tag im Monat reicht hier nicht aus.
TIPP: Wenn Sie ausschließen wollen, dass die alte Krankenkasse Sie zum Verbleib bewegt, fügen Sie diesen Satz Ihrer Kündigung hinzu: Von Rückwerbeversuchen sowie persönlichen Besuchen jeder Art bitte ich Abstand zu nehmen. Hierzu verweise ich auf § 7 Abs. 2 Nr. 2 UWG, § 20 UWG.
Kündigungsfrist Krankenkasse – Rechenhilfe
Sie kündigen im | Ihre Mitgliedschaft endet zum |
---|---|
Januar | 31. März |
Februar | 30. April |
März | 31. Mai |
April | 30. Juni |
Mai | 31. Juli |
Juni | 31. August |
Juli | 30. September |
August | 31. Oktober |
September | 30. November |
Oktober | 31. Dezember |
November | 31. Januar |
Dezember | 28. Februar (29. Februar in Schaltjahren) |
Sonderkündigungsrecht nicht verpassen
Der Beitrag für gesetzlich Versicherte richtet sich grundsätzlich nach dem Bruttoeinkommen. Dieser setzt sich aus einem Arbeitgeber- und einem Arbeitnehmeranteil zu je gleichen Teilen zusammen. Arbeitnehmer und Arbeitgeber übernehmen damit jeweils 7,3 Prozent. Der Prozentsatz ist für alle Krankenkassen gleich. Von 2011 bis 2014 war der Beitragssatz für alle Kassen einheitlich festgelegt. Seit Januar 2015 erhebt jede Krankenversicherung individuelle Beiträge über einen Zusatzbeitrag. Bisher konnten nur einige wenige Kassen darauf verzichten. Seit Januar 2020 liegt der durchschnittliche Zusatzbeitrag bei 1,1% . Viele Experten prognostizieren weitere Erhöhungen in den kommenden Jahren. Dadurch entsteht eine höhere finanzielle Belastung für viele Mitglieder der Krankenkassen, die sich unter Umständen verringern lässt – die Rede ist vom Sonderkündigungsrecht bei der erstmaligen Erhebung oder der Erhöhung des bisherigen Zusatzbeitrages. Spätestens einen Monat vorher muss die Krankenkasse
› das Überschreiten der Altersgrenze von 23 Jahren (ohne Erwerbstätigkeit),
› durch eine Berufsausbildung bei Kindern über 25,
› die Aufnahme einer Berufstätigkeit oder durch den Start in die Selbständigkeit,
Damit ist auch bereits vor Ablauf der regulären Mindestbindungszeit von 18 Monaten ein Krankenkassenwechsel möglich, allerdings greift auch hier die 2-monatige Kündigungsfrist – ein sofortiger Wechsel ist ausgeschlossen. Spätestens bis zum Ende des Monats, in dem der erstmalige oder erhöhte Zusatzbeitrag erhoben werden soll, muss die Kündigung erfolgt sein.
Wenn der angekündigte Zusatzbeitrag den durchschnittlichen, vom Gesetzgeber festgelegten, überschreitet, muss der Versicherer darauf hinweisen, dass die Möglichkeit besteht, in eine günstigere Kasse zu wechseln. Auch wenn Sie mit dem neuen Zusatzbeitrag nicht einverstanden sind, ist dieser so lange zu zahlen, bis die Aufnahme bei einer anderen Krankenkasse erfolgt ist. Eine Zahlungsverweigerung des höheren Betrages wegen Kündigung ist nicht möglich.
Wissenswert: Seit dem 01.01.2009 bewirkt eine Fusion von Krankenkassen kein Sonderkündigungsrecht mehr. Erhebt die neue Krankenkasse einen Zusatzbeitrag oder erhöht er sich, besteht wiederum das Recht zur Sonderkündigung. Mit der Fusion wird die 18-monatige Bindungsfrist fortgeführt und beginnt nicht neu. Es gelten die genannten Fristen.
Sofortiger Krankenkassen-Wechsel nach Statusänderung
Seit dem 11.09.2019 ist ein Krankenkassenwechsel im Rahmen eines sofortigen Krankenkassenwahlrechts ohne Kündigung zu lässig. Dieses Recht greift im Zuge einer Statusänderung, z.B. im Falle eines Arbeitgeberwechsels. Voraussetzung ist, die Einhaltung der 18-monatigen Bindungsfrist sowie ein nahtloser Übergang von der alten zur neuen Krankenkasse. Wichtig ist hierbei auch, dass Versicherte innerhalb von 14 Tagen nach Beginn der neuen Beschäftigung vom Wahlrecht Gebrauch machen. Die Mitgliedsbescheinigung der neuen Krankenkasse muss dem Arbeitgeber innerhalb der ersten zwei Beschäftigungswochen vorgelegt werden. Wenn diese Frist versäumt wird, bleibt die Mitgliedschaft in der bisherigen Krankenkasse bestehen.
Wahltarife können kurzfristigen Wechsel verhindern
Je nach Versicherer gibt es unterschiedliche Wahltarife, z.B. kann man eine bestimmte Summe an Beiträgen erstattet bekommen, wenn man keine ärztlichen Behandlungen in Anspruch nimmt. Der Nachteil ist jedoch, dass man sich mindestens ein Jahr oder länger bindet und nicht kurzfristig die Krankenkasse wechseln kann. Das Sonderkündigungsrecht bei Erhöhung der Beiträge greift auch beim Wahltarif, jedoch nicht beim Krankengeldtarif für Selbständige – hier bleibt die Bindungsfrist von 3 Jahren bestehen.
Familienversicherung endet? Studenten und Azubis aufgepasst!
In der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) können Kinder bis 18 Jahre üblicherweise familienversichert werden; solange sie kein eigenes Einkommen erzielen und sich ihr Wohnsitz oder gewöhnlicher Aufenthalt in Deutschland befindet auch bis zum Ende des 23. Lebensjahres.
Wenn die Familienversicherung wegfällt, beispielsweise durch
› das Überschreiten der Altersgrenze von 23 Jahren (ohne Erwerbstätigkeit),
› durch eine Berufsausbildung oder Studium bei Kindern über 25,
› die Aufnahme einer Berufstätigkeit oder durch den Start in die Selbständigkeit,
brauchen Sie diese nicht kündigen. Ganz gleich ob Sie in der gleichen Krankenkasse bleiben wollen oder in eine andere wechseln: wenn Sie weiterhin alle Voraussetzungen für eine Mitgliedschaft in der GKV erfüllen, müssen Sie einen Antrag auf Mitgliedschaft stellen. Entscheiden Sie sich für eine andere Krankenkasse, wird diese im Antrag über die bisherige Familienversicherung informiert, eine Kündigung Ihrer alten Kasse ist auch hier nicht erforderlich.
TIPP: Bei einer angehenden Selbständigkeit nehmen Sie unbedingt vorher Kontakt mit ihrer Krankenkasse auf, damit Sie später keine böse Überraschungen erleben. Es gibt viel zu beachten, unter anderem werden die Beiträge anders berechnet.
Von der privaten in die gesetzliche Krankenversicherung wechseln
Der Weg von der privaten Krankenversicherung (PKV) zurück in die gesetzliche (GKV) ist häufig sehr schwierig und nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Der Gesetzgeber möchte verhindern, dass sich nur junge gesunde Menschen in der PKV versichern und die älteren Kranken alle in der GKV sind. Politisch ist es nicht gewollt zu jedem beliebigen Zeitpunkt zwischen den beiden Versicherungssystemen hin und her zu springen und dabei immer die preiswerteste Variante zu nutzen.
Ist ein Wechsel von der privaten zur gesetzlichen Krankenversicherung nicht möglich, gibt es trotzdem die Möglichkeit zu sparen. Wenn Sie erst 5 – 7 Jahre bei Ihrem jetzigen Anbieter versichert sind, lohnt es sich eventuell die private Krankenversicherung zu wechseln. Sind Sie bereits länger in der PKV, kommt nur ein Tarifwechsel in Frage, aber auch dabei lässt sich bares Geld sparen.
Sonderregelung! Wer selbständig ist und als Künstler/Publizist arbeitet, hat die Möglichkeit über die Künstlersozialkasse (KSK) von der privaten in die gesetzliche Krankenversicherung zu wechseln. Jedoch gilt auch hier, dass man jünger als 55 Jahre ist und den Tätigkeitsbereich seiner Selbständigkeit nachweist. Folgende Voraussetzungen können unter weiteren Bedingungen einen Wechsel in die gesetzliche Krankenversicherung ermöglichen:
Ratgeber für Stolperfallen – Was tun bei Schwierigkeiten mit der Krankenkasse?
Mit der Option, von den Versicherten individuelle Zusatzbeiträge zu verlangen, hatte sich der Gesetzgeber unter anderem gedacht, die Konkurrenz unter den Kassen anzukurbeln. Gerechnet hat er sicher nicht damit, dass einige Kassen inzwischen einen eher unlauteren Wettbewerb mit allen erdenklichen Mitteln und Methoden führen. Häufig kann es passieren, dass Krankenkassen die Übersendung der Kündigungsbestätigung hinauszögern, indem sie lediglich ein Schreiben zu senden, dass die Kündigung thematisiert. Oft geht es darin um vermeintliche Bedingungen oder sogenannte Rückholaktionen, um einen Wechsel zu verhindern. Darüber hinaus kann es immer wieder dazu kommen, dass Wechsel-Unterlagen nicht rechtzeitig genug bearbeitet werden und damit für den Kunden wichtige Fristen verstreichen. Zum Glück gibt es unterschiedliche Schritte die Betroffene einleiten können, um sich effektiv dagegen zu währen. Hier sind einige Tipps und Hinweise, wie sie gegen solche Kassen vorgehen können.
So können Sie vorgehen:
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