Dienstunfähigkeitsversicherung: Ist die BU für Beamte sinnvoll? Kosten & Leistungen hier im Vergleich
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Beamte erhalten ein Ruhegehalt, wenn sie aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ihrem Dienstverpflichtungen nachkommen können. Anders als Angestellte oder Selbständige werden Beamte damit nicht „berufsunfähig“, sondern „dienstunfähig“. Aufgrund dieser Sonderstellung benötigen Beamte maßgeschneiderte Absicherungen für den Verlust ihrer Arbeitskraft.
Dienstunfähigkeitsversicherung: Vergleich der Beiträge
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Gründe der Dienstunfähigkeit
Die Gründe für die Dienstunfähigkeit werden seit 2003 jährlich erhoben und im Versorgungsbericht der Bundesregierung veröffentlicht. Folgende Erkrankungen sind nach dem aktuellen Bericht häufige Ursachen für Dienstunfähigkeit:
Gesetzliche Regelungen: Individuelle Versorgungslücke bestimmen
Die finanziellen Ansprüche im Fall einer Dienstunfähigkeit (DU) können sich je nach Beamtenstatus unterscheiden. Daraus ergeben sich individuelle Versorgungslücken, die mit einer entsprechenden Absicherung abgedeckt werden können.
Beamtenstatus | Beamte auf Lebenszeit | Beamte auf Widerruf | Beamte auf Probe |
---|---|---|---|
Regelung bei DU | Es besteht ein besonderes Dienst- und Treueverhältnis zwischen dem Beamten und seinem Dienstherrn. Der Beamte erhält ein Ruhegehalt von seinem Dienstherrn, wenn er bei DU in den Ruhestand versetzt wird. Das Ruhegehalt steigt mit jedem Dienstjahr an und liegt deutlich über den gesetzlichen Leistungen. | Beamte auf Widerruf befinden sich im Vorbereitungsdienst. Bei Dienstunfähigkeit werden sie aus dem Dienst entlassen und in der gesetzlichen Rentenversicherung nachversichert. | Beamte auf Probe haben ihren Vorbereitungsdienst für Beamtenlaufbahnen abgeschlossen (Laufbahnbewerber) und müssen nun eine „Probezeit“ von bis zu 5 Jahren durchlaufen. Bei Dienstunfähigkeit werden sie aus dem Dienst entlassen und werden in der gesetzlichen Rentenversicherung nachversichert. Lediglich bei einem Dienstunfall besteht für Beamte auf Probe ein Versorgungsanspruch an ihren Dienstherrn. |
Bedarf | Eine Absicherung ist vor allem in den ersten 5 Dienstjahren sinnvoll. Für spätere Jahre kann die Differenz zwischen Nettoeinkommen und Versorgungsanspruch abgesichert werden. | Da kein Versorgungsanspruch an den Dienstherrn besteht, ist eine Absicherung besonders wichtig. Einige Versicherer bieten dafür spezielle „Dienstanfänger-Policen“ an. | Da nur bei Dienstunfällen Ansprüche bestehen, ist eine Versicherung von großer Bedeutung. Geeignet sind auch hier sogenannte „Dienstanfänger-Policen“. |
Sorgenfrei bei Dienstunfähigkeit
- Finanzieller Schutz bei Verlust der Arbeitskraft mit spezieller BU für Beamte.
- Risiken absichern mit eigenständigen Policen oder als Zusatzbaustein.
Beamte auf Zeit werden nur für eine begrenzte Dauer für bestimmte Aufgaben berufen, z.B. Bürgermeister oder Kanzler an Universitäten. Auch sie erhalten bei Dienstunfähigkeit kein Ruhegehalt und werden in der gesetzlichen Rentenversicherung nachversichert. Auch hier ist eine Absicherung gegen DU besonders wichtig.
BdV: „Es ist möglich, dass Sie trotz Dienstunfähigkeit keine BU-Leistungen bekommen. Dies droht Ihnen nicht […] mit Dienstunfähigkeitsklausel.“
Angebote im Überblick – Anbieter von DU-Versicherungen
Info: „Echte“ vs. „unechte“ Dienstunfähigkeitsklauseln
Die Dienstunfähigkeitsversicherungen verwenden dabei unterschiedliche Klauseln, um die Dienstunfähigkeit der Berufsunfähigkeit gleichzusetzen: es gibt sogenannte „echte“ und „unechte“ Dienstunfähigkeitsklauseln. Bei echten Dienstunfähigkeitsklauseln wird bei der Absicherung festgelegt, dass eine Dienstunfähigkeit immer dann anzunehmen ist, wenn die Versetzung in den Ruhestand bzw. die Entlassung wegen allgemeiner Dienstunfähigkeit erfolgt. Geschützt sind mit dieser Versicherung alle Beamten. Bei einer unechten (auch bezeichnet als unvollständige) Dienstunfähigkeitsklausel sind dagegen nur Beamte auf Lebenszeit abgesichert: Denn die Dienstunfähigkeitsklausel sieht eine Rentenzahlung nur dann vor, wenn eine Versetzung in den Ruhestand vorgenommen wird. Beamte auf Widerruf oder Beamte auf Probe aber werden entlassen und nicht versetzt, wenn Dienstunfähigkeit festgestellt wird. Ohne Versetzung in den Ruhestand wird aber keine Leistung fällig, sodass Entlassungen nicht dazu führen, dass eine Dienstunfähigkeit automatisch Leistungen der Dienstunfähigkeitsversicherung nach sich zieht – hier erfolgt eine medizinische Überprüfung wie bei einer „normalen“ Berufsunfähigkeit.
Eine private Berufsunfähigkeitsversicherung (BUV) reicht in vielen Fällen nicht aus, um den tatsächlichen Bedarf eines Beamten zu decken. Einige wenige Anbieter bieten aber spezielle Dienstunfähigkeitsversicherungen für Beamte an:
- WWK: SBU Komfort
- AachenMünchener: SBU
- uniVersa: SBU, SBU Pflegeplus
- die Bayerische: SBU Protect Komfort, SBU Protect Komfort Pflege, SBU Protect Komfort plus, SBU Protect Komfort plus Pflege, SBU Protect Prestige, SBU Protect Prestige Pflege
- Süddeutsche: SBU
- R+V: BV
- Nürnberger: SBU Comfort mit DU, BUZ
- Condor: SBU, BUZ, BUZ Private Rente, BUZR65 (Fonds)
- IDUNA Leben: Premium BUV
- Alte Leipziger: BUZ (Tarife BZ10 und BZ11), BUZ BZ20/BZ21, BUZ (Tarife BZ30) fonds
- DBV: SBU, DUZ
- Ergo Vorsorge: SBU, BUZ
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Dienstunfähigkeitsversicherung für besondere Berufsgruppen
Regelungen für Lehrer
Lehrer haben es mitunter schwer, einen passenden Versicherungsschutz zur Absicherung ihrer Arbeitskraft zu erhalten. Zum einen ist das statistische Risiko, dienstunfähig zu werden, vergleichsweise hoch. Versicherungsunternehmen schränken daher den Versicherungsschutz ein, der oft bereits mit 50 oder 55 Jahren endet. Verbeamtete Lehrer auf Widerruf oder auf Probe haben keinen Anspruch auf Leistungen des Dienstherrn, wenn sie nicht mehr arbeiten können. Für diese Zielgruppe ist eine private Absicherung mit einer „echten“ Dienstunfähigkeitsklausel in der Dienstunfähigkeitsversicherung von großer Bedeutung. Angestellte Lehrkräfte können ihre BU für Lehrer in der Regel an die geänderten Bedürfnisse anpassen, nachdem sie verbeamtet wurden.
Tipp: Wenn ein Schutz bis zum Einstieg in die Altersrente schwierig ist, können Sie auch kürzere Versicherungszeiten (10 oder 15 Jahre) vereinbaren, denn nach einigen Jahren haben Sie als verbeamtete Lehrer Anspruch auf eine Versorgung.
Sonderregelungen im Vollzugsdienst
Für Bundes- und Landesbeamte im Vollzugsdienst reicht mitunter schon das Eintreten einer speziellen Dienstunfähigkeit aus, um für dienstunfähig erklärt oder in ein anderes Amt versetzt zu werden. So könnte eine spezielle DU bereits vorliegen, wenn der Beamte „den besonderen gesundheitlichen Anforderungen für den Vollzugsdienst nicht mehr genügt und es nicht zu erwarten ist, dass er seine volle Verwendungsfähigkeit innerhalb zweier Jahre wiedererlangt.“ (Vgl. Beamtenrechtsrahmengesetz). Betroffene sollten darauf achten, inwieweit der Versicherer auch eine dienstbezogene Invalidität anerkennt, zum Beispiel mit einer Polizeidienstunfähigkeitsversicherung. Von der speziellen Dienstunfähigkeit können folgende Beamtengruppen betroffen sein:
- Polizei: Polizeivollzugsbeamte
- Zoll: Zollvollzugsbeamte
- Feuerwehr: Feuerwehrbeamte im Einsatzdienst
- Justiz: Justizvollzugsbeamte
Dienstunfähigkeit bei Bundeswehrsoldaten
Werden Berufssoldaten aus gesundheitlichen Gründen dienstunfähig, werden sie mit reduzierten Versorgungsbezügen vorzeitig in den Ruhestand versetzt. Liegt die Dienstunfähigkeit in einer Wehrdienstbeschädigung oder einem Dienstunfall begründet, wird das Ruhegehalt ohne Versorgungsabschlag geleistet. Zur Abdeckung individueller Versorgungslücken kann eine DU-Versicherung sinnvoll sein.
Demgegenüber werden Soldaten auf Zeit bei DU entlassen und in der gesetzlichen Rentenversicherung nachversichert. Für Sie empfiehlt sich eine Berufsunfähigkeitsversicherung, die auf die spezielle Situation eingeht.
Die wichtigsten FAQ im Überblick
Fall aus der Praxis
Die Notwendigkeit einer Dienstunfähigkeitsklausel zeigt der Fall eines Justizvollzugsbeamten, der nach 23 Jahren eine Depression und damit einhergehende Angstzustände erlitt, die in einem ärztlichen Gutachten zunächst als „Häftlingsphobie“ beschrieben wurde. Der Amtsarzt bescheinigte schließlich eine Dienstunfähigkeit und schickte den Beamten in den vorzeitigen Ruhestand. Weil seine private Berufsunfähigkeitsversicherung ihn auf andere Tätigkeiten in der Justizvollzugsanstalt verweisen und folglich nicht zahlen wollte, zog der Mann vor Gericht. Das Bonner Landgericht entschied zugunsten des Klägers und erklärte, dass dem Mann aufgrund seiner unheilbaren Angstneurose eine Tätigkeit in der Justizvollzugsanstalt nicht zuzumuten sei und ihm die Rente daher zustehe (Az. 10 O 517/96).
Tarife mit DU-Klausel im Test von 2019
Das Analysehaus „softfair“ hat im Mai/2019 bei einem Berufsunfähigkeitsversicherung Test 45 Leistungsbereiche aus den Bedingungswerken von selbstständigen Berufsunfähigkeitsversicherungen und BU-Zusatzprodukten überprüft. Im Fokus stand dabei u.a. auch die Zielgruppe der Beamten. Insgesamt 170 Tarife wurden anhand von 50 Kriterien untersucht. Unter den 10 Versicherungsanbietern mit speziellen Leistungen für Beamte im Falle einer Dienstunfähigkeit erhielten folgende 5 von 5 möglichen Eulen:
- Condor „C80 SBU“
- DBV „DUZ (BG4)“
- die Bayerische „BU Protect Prestige“
- Signal Iduna „BUZ Comforrt RLV“
- uniVersa „ExklusivSBU18“
Diensthaftpflichtversicherung
Eine Diensthaftpflichtversicherung kann sinnvoll sein, wenn der Dienstherr oder andere Geschädigte aufgrund einer grob fahrlässigen Handlung des Beamten einen Regressanspruch bzw. Schadensersatzanspruch erheben. Bei Angestellten und Arbeitern des öffentlichen Dienstes ist bereits eine mittlere Fahrlässigkeit ausreichend für einen Regress. Die Diensthaftpflichtversicherung deckt dieses Haftungsrisiko ab.
Die DU im Bundesbeamtengesetz
Laut § 44 des Bundesbeamtengesetzes liegt eine Dienstunfähigkeit dann vor, wenn ein Beamter auf Lebenszeit „wegen des körperlichen Zustandes oder aus gesundheitlichen Gründen zur Erfüllung der Dienstpflichten dauernd unfähig (dienstunfähig) ist“. Auch wenn durch eine Erkrankung innerhalb von sechs Monaten mindestens drei Monate kein Dienst geleistet werden konnte sowie keine erneute volle Dienstfähigkeit innerhalb der nächsten sechs Monate absehbar ist, kann eine Dienstunfähigkeit anerkannt werden.
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