Multiresistente Keime in Billig-Hähnchenfleisch: Deutsche Umwelthilfe fordert politische Konsequenzen
Eine aktuelle Untersuchung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) in Zusammenarbeit mit RTL hat alarmierende Ergebnisse zur Belastung von Hähnchenfleisch aus dem Billigsegment zutage gefördert. Jede dritte Probe von Kaufland-Hähnchenfleisch enthielt multiresistente Erreger, während jede zweite Probe mit Campylobacter-Keimen belastet war. Die DUH sieht den Preisdruck in der Lebensmittelkette als Hauptursache und fordert von der Bundesregierung sowie den Supermärkten ein Umdenken.
KKZ-Überblick
- Ergebnisse der Tests: 33 % der Proben mit multiresistenten Keimen, 50 % mit Campylobacter-Keimen belastet.
- Hauptursache: Preisdruck zwingt Produzenten zum Einsatz von Reserveantibiotika, um Kosten zu senken.
- Gesundheitsgefahr: Antibiotikaresistenzen und Campylobacter-Infektionen gefährden Verbraucher.
- Forderungen der DUH: Strengere Regeln gegen Preisdumping und Förderung tiergerechter Haltung.
- Internationale Vergleiche: Andere EU-Staaten wie Spanien oder Frankreich agieren bereits strenger.
Multiresistente Keime und Campylobacter: Eine Gefahr für die Gesundheit
Die Untersuchung umfasste 30 Proben von Hähnchenfleisch aus der Haltungsform 2, die bei Kaufland verkauft werden. Dabei wurden multiresistente Erreger entdeckt, die gegen Reserveantibiotika resistent sind – Antibiotika, die als letzte Verteidigungslinie für schwerwiegende Infektionen bei Menschen gelten. Zusätzlich wiesen 50 % der Proben Campylobacter-Keime auf, die jährlich mehr als 50.000 meldepflichtige Infektionen in Deutschland verursachen.
Laut Reinhild Benning, Expertin für Agrarökologie bei der DUH, stellen diese Ergebnisse eine erhebliche Gesundheitsgefahr dar: „Fleisch mit Antibiotikaresistenzen und Ekelkeimen ist eine echte Gesundheitsgefahr.“ Die Organisation fordert Verbraucher auf, Billigfleisch zu meiden und stattdessen auf Fleisch aus nachhaltiger Produktion zu setzen.
Ursachen: Preisdruck und Antibiotikamissbrauch
Die DUH macht den enormen Preisdruck durch Supermärkte für die Missstände verantwortlich. Nur vier große Einzelhandelsketten kontrollieren über 85 % des deutschen Lebensmittelmarktes und setzen ihre Lieferanten massiv unter Druck. Dies führt dazu, dass Produzenten vermehrt Reserveantibiotika einsetzen, um Krankheiten in Massentierhaltungen einzudämmen und gleichzeitig die Produktionskosten niedrig zu halten.
Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH, kritisiert: „Wir zahlen für Billigfleisch mit unserer Gesundheit und extremem Tierleid.“ Er fordert Kaufland auf, Billig-Hähnchen auszulisten und auf höhere Tierhaltungsstufen wie Biofleisch umzustellen.
Politische Forderungen
Die DUH appelliert an die neue Bundesregierung, den Preisdruck in der Lebensmittelkette zu reduzieren und den Schutz von Mensch und Tier zu priorisieren. Konkret fordert sie:
- Strengere Regeln gegen Preisdumping: Einführung von Mindestpreisen für Fleischprodukte.
- Förderung tiergerechter Haltung: Subventionen für den Bau von Tierwohlställen.
- Verkaufsverbote: Einführung von Sanktionen bei Verstößen gegen Hygienebestimmungen in Schlachthöfen.
Andere EU-Staaten wie Frankreich oder Spanien haben bereits strengere Maßnahmen ergriffen, um Preisdrückerei in der Lebensmittelkette einzudämmen. Diese Ansätze könnten auch für Deutschland Vorbildcharakter haben.
Internationale Perspektive: Ein globales Problem
Die Problematik multiresistenter Keime ist nicht auf Deutschland beschränkt. Studien zeigen weltweit ähnliche Ergebnisse: In Europa weisen bis zu 59 % des Hähnchenfleisches antibiotikaresistente Keime auf. In Ländern wie den USA wurde der Einsatz bestimmter Antibiotika in der Geflügelproduktion bereits verboten, was zu einem Rückgang der Resistenzen führte.
Verbraucher im Fokus
Die DUH rät Verbrauchern dringend dazu, Fleisch aus Billigproduktion zu meiden und stattdessen auf Bio-Produkte oder Fleisch aus kleinbäuerlicher Landwirtschaft zurückzugreifen. Diese Produkte enthalten deutlich weniger Rückstände von Antibiotika oder resistenten Keimen.
Handlungsbedarf auf allen Ebenen
Die Ergebnisse der Untersuchung verdeutlichen den dringenden Handlungsbedarf im Umgang mit antibiotikaresistenten Keimen in der Lebensmittelproduktion. Sowohl Politik als auch Supermärkte müssen Verantwortung übernehmen, um die Gesundheit der Verbraucher zu schützen und nachhaltige Produktionsbedingungen zu fördern.