Cannabis bleibt zweithäufigster Grund für Suchtberatung: SLS warnt vor Kürzungen in Sachsen

Die Landesstelle gegen die Suchtgefahren (SLS) in Sachsen hat ihren Suchtbericht 2024 veröffentlicht, der erneut zeigt, dass Cannabis nach Alkohol der zweithäufigste Grund für Suchtberatung ist. Trotz eines leichten Rückgangs der Beratungsfälle im Vergleich zu 2023 bleibt die Droge ein zentrales Thema in der Suchthilfe. Gleichzeitig sieht sich die SLS durch geplante Kürzungen im sächsischen Haushalt 2025/2026 vor großen Herausforderungen, die die Präventionsarbeit gefährden könnten.

KKZ-Überblick

  • Cannabis-Beratung: 14 % der Fälle in Suchtberatungsstellen betreffen Cannabis, insgesamt rund 3.400 Beratungen im Jahr 2024.
  • Alkohol dominiert: Mit fast der Hälfte aller Beratungsfälle und 72 % der stationären Suchtdiagnosen bleibt Alkohol das größte Problem.
  • Crystal Meth rückläufig: Mit 13 % und etwa 3.100 Fällen liegt die Droge auf Platz drei der Statistik.
  • Kürzungen: Geplante Einschnitte von 25 % bei den Landesmitteln bedrohen Präventionsprogramme wie „Der Grüne Koffer“.
  • Langfristige Prognose: Trotz Entkriminalisierung von Cannabis im April 2024 rechnet die SLS mit einem steigenden Unterstützungsbedarf.

Cannabis: Zweithäufigster Grund für Beratung

Im Jahr 2024 machten Probleme mit Cannabis 14 % aller Beratungsfälle in den sächsischen Suchtberatungsstellen aus – insgesamt rund 3.400 Fälle. Damit bleibt die Droge wie schon im Vorjahr auf Platz zwei der Gründe für eine Suchtberatung. Dieser leichte Rückgang um etwa 200 Fälle gegenüber 2023 wird von der SLS als erwartbare Folge der Entkriminalisierung von Cannabis im April 2024 gewertet.

Langfristig geht die Landesstelle jedoch von einem steigenden Bedarf an Unterstützung aus. Die Entkriminalisierung habe zwar rechtliche Erleichterungen gebracht, doch die gesundheitlichen und sozialen Folgen des Cannabiskonsums blieben weiterhin gravierend.

Alkohol weiterhin Hauptproblem

Alkohol dominiert nach wie vor die Suchtstatistik in Sachsen. Fast die Hälfte aller Beratungsfälle in den Suchtberatungsstellen und 72 % der stationären Suchtdiagnosen betreffen alkoholbezogene Störungen. Insgesamt wurden im Jahr 2024 rund 46.000 Menschen durch Suchtberatungsstellen, Krankenhäuser und sozialtherapeutische Einrichtungen unterstützt, davon mehr als 24.500 durch ambulante Beratungsstellen.

Die Zahlen verdeutlichen, dass Alkohol trotz zunehmender Aufmerksamkeit für andere Substanzen weiterhin das größte Problem darstellt – sowohl in Bezug auf die Zahl der Betroffenen als auch auf die gesundheitlichen Folgen.

Crystal Meth: Rückläufiger Trend

Crystal Meth, das in Sachsen lange Zeit ein großes Problem darstellte, zeigt einen rückläufigen Trend. Im Jahr 2024 wurden etwa 3.100 Beratungsfälle registriert, was einem Anteil von 13 % entspricht und Platz drei in der Statistik bedeutet. Dennoch bleibt die Droge ein ernstes Thema, insbesondere in ländlichen Regionen Sachsens.

Kürzungen bedrohen Präventionsarbeit

Die geplanten Kürzungen im sächsischen Haushalt könnten massive Auswirkungen auf die Suchthilfe haben. Laut Mitteilung der SLS sollen die Landesmittel für Suchtberatungsstellen um 25 % reduziert werden. Besonders betroffen wäre die Präventionsarbeit, darunter das Programm „Der Grüne Koffer“, das Methodenschulungen zur Cannabisprävention bietet und ersatzlos gestrichen werden soll.

Die SLS warnt vor den Folgen dieser Einschnitte: „Die wirksame Arbeit der Suchthilfe steht vor dem Aus.“ Ohne ausreichende Mittel könnten wichtige Präventionsmaßnahmen nicht mehr durchgeführt werden, was langfristig zu einer Verschärfung der Problematik führen könnte.

Unterstützung für Angehörige

Neben den direkten Hilfsangeboten für Betroffene spielt auch die Unterstützung für Angehörige und Bezugspersonen eine wichtige Rolle in der Arbeit der Suchtberatungsstellen. Im Jahr 2024 entfielen etwa 12 % der Beratungsfälle auf diese Kategorie – ein Bereich, den die SLS ebenfalls durch die Kürzungen bedroht sieht.

Fazit: Dringender Handlungsbedarf

Die Ergebnisse des Suchtberichts zeigen deutlich, dass trotz Fortschritten wie der Entkriminalisierung von Cannabis weiterhin erheblicher Unterstützungsbedarf besteht – sowohl bei Alkohol- und Drogenproblemen als auch bei Präventionsmaßnahmen. Die geplanten Kürzungen gefährden jedoch zentrale Bereiche der Suchthilfe und könnten langfristig zu einer Verschlechterung der Versorgung führen. Die Politik ist gefordert, Lösungen zu finden, um diese essenziellen Angebote zu sichern und auszubauen.